Wertvolle Gespräche in München

Torsten Berndt und Wilhelm van Loo im Gespräch

Torsten Berndt und Wilhelm van Loo im Gespräch


Im Gespräch auf der Philatelia München 2024

Die Messemannschaft im Gespräch mit einem Besucher

Guter Besuch, viele Kontakte – auch die jüngste PHILATELIA in München überzeugte rundum. Das Konzept, sich auf zwei Messetage zu beschränken, führte schlichtweg dazu, dass sich die Besucher gut auf beide Tage verteilten und es keinen Tag gab, an dem mehr oder weniger Ebbe herrschte, wie wir es immer wieder auf den Messen mit drei Tagen erleben. Sicher, in den letzten Sonnabendstunden und vor allem Sonntagnachmittag ließ der Andrang deutlich nach. Das geschieht aber auf allen Messen. Man kann daher nicht oft genug betonen, dass weniger mehr ist, dass sowohl Besucher als auch Aussteller über zwei statt drei Tage laufende Veranstaltungen bevorzugen. Gleichermaßen überzeugt das Konzept, ideelle und kommerzielle Aussteller zu mischen und nicht zu trennen.

Unsere Messemannschaft bestand dieses Mal aus Friedhelm Doell, Reinhard Heinrich, Olaf Hoffmann und Torsten Berndt.

Wir beantworteten nicht nur Fragen der Besucher, sondern lernten auch das eine oder andere hinzu. Wer weiß beispielsweise, dass in der Zeit vor der deutschen Besetzung im Ersten Weltkrieg in Litauen nur vergleichsweise wenige Ansichtskarten entstanden? Aus Estland und Lettland findet man viele Angebote, wie uns ein auf die Philokartie spezialisierter Besucher erläuterte, nach litauischen Stücken muss man lange suchen. Wohl den Litauen-Liebhabern unserer Arbeitsgemeinschaft, in deren Alben auch Ansichtskarten stecken!

Die Messemannschaft der Philatelia München 2024

Die Messemannschaft, v.l.n.r.: Reinhardt Heinrich, Friedhelm Doell, Torsten Berndt und Olaf Hoffmann

Am Sonnabend besuchte uns ein Urgestein der Philatelie und des Prüfwesens: Wilhelm van Loo hatte den Weg vom äußersten Westen nach München gefunden. Rüstiger als mancher, der 20 Jahre jünger ist, zog er durch die Halle, fotografierte und fand Zeit zum Gedankenaustausch. Nicht nur wegen seines Erfahrungsschatzes ist es stets ein Gewinn, mit ihm zu plaudern.

Unsere monatliche Videokonferenz fand diesmal "Live von der PHILATELIA" statt. Für das Team am Messestand klappten Konferenzkamera und Audio wie gewohnt; die wandernde Videobotschaft von Friedhelm Doell, der mit den Teilnehmern einen virtuellen Rundgang durch die Messehalle unternahm, kam bei den Kollegen am Stand – im Gegensatz zu den externen Teilnehmern – jedoch ohne Audio an. Verbesserungspotential ist also vorhanden.

Mit dem zeitgemäßen Konzept hat der ausrichtende Fachhandelsverband APHV die PHILATELIA zukunftsträchtig aufgestellt. Zum Abschied hieß es denn auch: "Nächstes Jahr, selbe Welle, selbe Stelle".


Lettische Post schließt 105 Postämter

Stand 25. Januar 2024 existieren in Lettland 173 Postämter und 423 Stellen, an denen Postdienstleistungen auf Anforderung bereitgestellt werden (www.pasts.lv/en/Category/Post_Offices). Bezogen auf rund 1,875 Millionen Einwohner bedeutet das derzeit ein Postamt auf ca. 11.500 Einwohner und insgesamt eine Posteinrichtung auf rund 3.150 Einwohner.

Am 24.01.2024 teilte die Lettische Post mit, dass sie beabsichtigt, 2024 bis zum Jahresende 105 Postämter (von 176 am Jahresanfang) zu schließen, wobei 12 ihren Dienst ganz einstellen und 93 ihr "Format ändern" werden, d.h. ebenfalls nur noch Postdienstleistungen auf Anforderung bereitstellen. Damit werden zum Jahresende also nur noch 71 Postämter in Lettland bestehen, eines pro 26.400 Einwohnern. Einige Einwohner müssen bereits jetzt 20 bis 25 Kilometer zum nächsten Postamt fahren, eine Entfernung, die sich bald verdoppeln wird.

In den Postdienststellen mit dem "geänderten Format" müssen die Kunden, die Postdienstleistungen in Anspruch nehmen möchten, die Telefonnummer des Kundensupports anrufen und ein Postmitarbeiter kommt am nächsten Tag zu ihnen nach Hause.

Der Grund für die Schließung der Postämter ist die Unrentabilität ihrer Verwaltung für die staatliche Lettische Post. Verzweifelte Reaktionen der Bevölkerung, beispielsweise das Angebot des Gemeinderats von Süd-Kurzeme (der flächenmäßig größten Gemeinde Lettlands), einen Teil der Aufgaben des Postpersonals zu übernehmen, sind bislang nicht erfolgreich, denn die Lettische Post zeigt sich nicht bereit, ihre Büros und Kompetenzen an die Gemeinde abzugeben.

Meine Meinung: Die Zeiten, in denen ein Postwesen für die Allgemeinheit als staatliche Daseinsfürsorge verstanden wurde, sind offensichtlich vorbei. Der Kapitalismus ist im Baltikum angekommen.

Lettischer Postkasten

Bildquelle: Staatliche Rundfunkanstalt Lettland

Informationsquelle: Staatliche Rundfunkanstalt Lettland eng.lsm.lv/article/economy/transport/24.01.2024-latvian-postal-service-to-close-most-offices.a540108/


Ergänzung der estnischen Post (Markenname Omniva) vom 26.01.2024:

Auch in Estland werden dieses Jahr weitere 10 bis 15 Postämter in Postpunkte umgewandelt (die nicht Eigentum der Omniva sind, sondern von lokalen Stellen beispielsweise in Bibliotheken oder Geschäften betrieben werden). Es werden auch Postpunkte durch Paketautomaten ersetzt. Das Versenden und Empfangen von Paketen ist mit 80 % der meistgenutzte Postdienst, und mit Paketautomaten, die im Freien stehen, sind die Menschen nicht an Öffnungszeiten gebunden. Die erhofften Einsparungen liegen bei 1 Mio. € pro Jahr; es werden 2024 bis zu 10 Vollzeitstellen abgebaut.

Derzeit gibt es 57 Postämter und 59 Postpunkte sowie ca. 350 Paketautomaten in Estland. "Eine Schließungswelle wie in Lettland wird es nicht geben, da diese Veränderungen bereits in den letzten Jahren erfolgt sind", versicherte Mart Mägi, Vorstandsvorsitzender von Omniva.

Informationsquelle: Staatlicher Rundfunk Estland www.err.ee/1609234572/omniva-vahendab-tanavu-postkontorite-arvu-kuni-kumme-protsenti.


Neuer Sachstand zur lettischen Post vom 02.02.2024:

Die Leiterin der Latvijas Pasts, Beate Krauze-Čebotare, sagte am Donnerstag (1. Februar), der Plan der Schließung von 105 Postämtern sei auf Eis gelegt worden. Auch der lettische Verkehrsminister Kaspars Briškens, bestätigte das. Der Plan der lettischen Post hatte im Land starken Unmut ausgelöst, da die Entscheidung einige Gemeinden ohne Postamt gelassen hätte. Nun werde nach einer individuellen Lösung für jeden Standort gesucht, wobei die Kosten auch im Zusammenhang mit möglchen Subventionen gesehen werden müssten, so Krauze-Čebotare.

Meine Meinung: Warum nicht gleich so?

Informationsquelle: Staatlicher Rundfunk Estland www.err.ee/1609241208/lati-pani-postkontorite-sulgemise-plaani-pausile.


Konsequenzen bei der lettischen Post am 07.02.2024:

Der Vorstandsvorsitzende von Latvijas Pasts, Raimonds Duda, und das Ratsmitglied Ivars Blumbergs traten zurück, weil sie der Meinung waren, dass die Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem Verkehrsministerium ins Stocken geraten war und das gemeinsame Ziel, die Post als wettbewerbsfähiges Unternehmen zu entwickeln, nicht erreicht wurde. Seit über einem Jahr war die neue Strategie zur Änderung des Geschäftsmodells des Unternehmens mit erheblichen Prozessverbesserungen unter Beteiligung der zuständigen Beamten des Verkehrsministeriums entwickelt worden. Diese seien über die Umstrukturierungpläne seit langem informiert gewesen, hätten aber wichtige Fragen nach Veröffentlichunng der vorgesehenen Maßnahmen nicht mit direkt bei der Post angesprochen, sondern über soziale Netzwerke. Das Verkehrsministerium hatte dann die Post angewiesen, die zur Verringerung der wirtschaftlchen Rückständigkeit Lettlands bei Postdienstleistungen vorgesehene Schließung jedes einzelnen Postamtes auszusetzen und nochmals zu überprüfen und dabei die Ansichten der Anwohner, Behörden, Gemeinden und der Beschäftigten der Branche zu berücksichtigen.

Informationsquelle: Staatlicher Rundfunk Estland www.err.ee/1609245840/lati-posti-noukogu-astus-tagasi.