Entstanden aus: Arbeitsgemeinschaft Estland e.V. + Forschungsgemeinschaft Lettland + Forschungsgemeinschaft Litauen e.V. + Nederlandse Filatelistengroep "Het Baltische Gebied"
Der Videotalk drehte sich diesmal zu Beginn darum, dass das Michel-Postgebührenhandbuch Deutschland in der aktuell noch gültigen 3. Auflage 2015 offensichtlich nicht immer die korrekten Gebühren der Nachkriegszeit 19451949 darstellt. Die Angaben sind im Zweifelsfall durch weitere Literatur oder Quellen zu überprüfen.
Nach einigen Urlaubserzählungen wurden Neuerwerbungen vorgestellt. Olaf Hoffmann zeigte unter anderem die beiden hier gezeigten Dokumente:
Ein vorphilatelistischer Brief aus Rīga (heute Lettland) nach Fellin (heute Viljandi in Estland) aus dem Jahr 1813 beide Orte damals im Russischen Reich gelegen zeigt neben einem Zeilenstempel zur Aufgabekennzeichnung auf der Rückseite eine sehr schöne Versiegelung mit ineinander verschlungenen Buchstaben, vermutlich den Initialien des Absenders.
Der unten gezeigte Zahlungsbeleg ist eine schöne Verwendung einer Ostland-Aufdruckmarke am 30.9.1942 in Cēsis / Wenden als Frankatur (der Brief wurde so zusammengefaltet, dass die Anschrift und die Marke die Vorderseite bildeten).
Gezeigt wird ein Vorauszahlungsbescheid für Einkommensteuer Nr. 38549 des zuständigen Steuerinspektors auf einem Vordruck der Staatsdruckerei gemäß den Vorschriften des (reichsdeutschen) Generalkommissariats in Rīga vom 5. August 1942. Der geforderte Betrag f ür 1942 beträgt 90, Reichsmark (RM), einzuzahlen bis 10. Oktober sind 45, RM und bis 10. Dezember weitere 45, RM (solche Fristen gibt es auch in Deutschland bis heute).
Die Strafe bei nicht fristgerechter Einzahlung wird in der 2. Spalte gleich mit angegeben: 10, RM.
Der Betrag wurde offensichtlich nicht rechtzeitig bezahlt. In der rechten Spalte wird der Empfang von 90, RM Steuer zuzüglich 10, RM Verspätungszuschlag = 100, RM Gesamtbetrag quittiert.
Unser monatlicher Videochat, bei dem jede/r mit Interesse an der Philatelie des Baltiums herzlich willkommen ist, findet an jedem ersten Samstag im Monat um 17 h MEZ statt (mehr technische Informationen dazu hier).
Spezielles Thema: noch keines
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Nach einigen Neuerwerbs-Vorstellungen der Teilnehmer berichtete Thomas Löbbering vom Treffen der europäischen Estland-Prüfer in Finnland mit einigen internen Vorträgen zur gegenseitigen Weiterbildung.
Jaan Roots kündigte dort einen größeren Artikel über die estnischen Postverbindungen nach Europa 19181919 an:
Am 12.12.1918 stießen zwei Züge auf der Breitspurbahnstrecke zwischen Tallinn und Tartu zusammen, kurze Zeit darauf gab es durch Rebellen eine Brückensprengung. Damit wurden die Bahnverbindungen von Tallinn nach Süden unterbrochen.
Die Post von Orten nördlich der Unterbrechung wurde nach teils wochenlangen Liegezeiten über den Seeweg FinnlandSchweden nach Deutschland tranportiert.
Südlich der Unterbrechung wurde sie über Walk/Valga in die Ober-Ost-Administration gegeben, die bis 26.12.1918 (Schließung Postamt Riga), danach noch bis 2.1.1919 funktionierte. Nach dem 2.1.1919 wurde die Post in Tartu gelagert bis zum Ende der sowjetischen Besetzung; dann übernahm die estnische Post. Da in Lettland Bürgerkrieg herrschte, wurde auch diese Post jedoch zunächst über Finnland und Schweden nach Europa geleitet.
Wir sind gespannt auf die Details!
Michael Wienecke stellte einige Belege aus Estland vor, die mit der Zeppelinfahrt zur Weltausstellung 1933 in Chicago befördert wurden. Dies war eine Dreiecksfahrt Deutschland Südamerika Nordamerika Deutschland, was durch den bekannten dreieckigen Stempel auch verbildlicht wurde. Aus Estland sind nur ca. 10 bis 15 Zuleitungsbelege zu dieser Chicagofahrt bekannt.
Der abgebildete Beleg zeigt eine eingeschriebene Postkarte vom 9 X 33, per Flugpost über Berlin C 12.10.33 nach Friedrichshafen und von dort mit der genannten Rundfahrt nach Chicago Ankunft 26. Oktober 1933 befördert.
Da vor dem 1.5.1934 keine speziellen Zeppelinpostgebühren definiert waren, wurden solche Belege meist als Flugpost frankiert, so auch hier: 12 Senti für die Auslands-Postkarte, 20 Senti Einschreibegebühr und 60 Senti Zeppelingebühr für Postkarten = 92 Senti gesamt.
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Spezielles Thema: noch keines
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Mit einer rundum gelungenen Veranstaltung schrieben sich der Philatelisten-Verband Nordost, die Briefmarkenfreunde Bernau, die Forschungsgemeinschaft Berlin und der Berliner Ganzsachen-Sammler-Verein von 1901 in die Annalen ein. Die Bephila in Bernau, eine deutsch-schwedische Bilaterale, bestach durch ihre Vielfalt. Das galt für die Ausstellung, das Vortragsprogramm, die teilnehmenden Händler und die Arbeitsgemeinschaften gleichermaßen. Somit kamen nicht nur Besucher, die ihr Interesse Schweden zugewandt haben, auf ihre Kosten.
Zur Baltikums-Philatelie, insbesondere zur Postgeschichte der russischen Herrschaft über Estland, Lettland und Litauen wurden uns am Stand der ArGe Baltikum viele Fragen gestellt. Wir verteilten einige Exemplare unserer Zeitschrift BALTIKUM und können hoffen, dass die Kontakte Bestand haben werden. Natürlich frischten wir auch den einen oder anderen alten Kontakt auf.
Michael Haslau, Olaf Hoffmann und Torsten Berndt leisteten den Standdienst an den drei Tagen. Dank der guten Besetzung konnte jeder auch die Ausstellung besichtigen und in den Angeboten der Händler stöbern. Sogar die Unterstützung anderer Vereine war möglich. Die drei Tage in Bernau haben sich gelohnt.
← Torsten im Gespäch mit Wolfgang Maassen
Olaf und Torsten sind für Anfragen bereit →
↓ Blick in die Ausstellungshalle