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Estland

  • Königlich schwedische Post

  • Kaiserlich russische Post

  • Deutsche Besetzung / Ob. Ost

  • Unabhängige Republik Estland

    Einleitung

    Wappen Estlands

    Wappen Estlands

    (Bild: Wikimedia Commons)

    Die Republik Estland begeht als ihren Gründungstag den 24. Februar 1918, konnte sich jedoch zunächst nicht verwirklichen, da ihr Staatsgebiet zeitgleich von Deutschen Truppen besetzt worden war (siehe Sammelgebietsperiode Deutsche Besetzung / Ober Ost).

    Erst mit der Niederlage Deutschlands am Ende des Ersten Weltkrieges und dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 begannen die Deutschen Truppen, sich von Nord nach Süd aus dem Baltikum zurückzuziehen.

    In Estland schloss als erstes Landespostamt Ob. Ost das in Paldiski (Baltischport) am 15.11.1918 und als letztes das in Valga (Walk) am 19.12.1918.

    Postkarte 1918 von Pernau nach Rukkuli mit Nachporto

    Karte vom 28.11.1918 mit ungültiger "Ob. Ost"–Frankatur (das Ob. Ost Postamt in Pernau hatte bereits am 21.11.1918 geschlossen) und Nachporto (Stempel "Doplatit") in bar.

    Brief mit Barfranktur Rakwere (Rakvere, Wesenberg) vom 18.11.1918

    Brief vom 18.11.1918 mit Barfranktur ("15 k. maksetud" = "15 Kopeken bezahlt") von Rakwere (Wesenberg) nach Weissenstein (Paide)


    Am 15. November 1918 eröffnete das erste Estnische Postamt in Rakwere (Rakvere, Wesenberg), weshalb dieser Tag als Geburtstag der Estnischen Post gilt, auch wenn es bis zur Herausgabe der ersten regulären Briefmarke in Tallinn (Reval) noch bis Ende November dauern sollte.


    Marke_2010_90_Jahre_Frieden_von_Tartu

    Marke Mi Nr. 654 zum 90. Jahrestag des Friedens von Tartu (Dorpat)

    Stempel_1919_Tallinn_Nationalversammlung

    Sonderstempel zur 1. Nationalversammlung ("Asutav kogu" = "Gründungsversammlung") am 23.4.1919

    Den abrückenden deutschen Truppen folgten von Osten russische bolschewistische Kräfte auf den Fuß, so dass sich die junge Republik bis zum Friedensschluss von Tartu (Dorpat) am 2. Februar 1920 zahlreicher äußerer wie innerer Feinde zu erwehren hatte. Notmaßnahmen aller Art, Stempelprovisorien, Zensuren und Feldpost entstanden in der Zeit des Freiheitskrieges.

    Gleichwohl gelang es mit Einberufung der Nationalversammlung im April 1919, mit der Verabschiedung eines Grundgesetzes, ersten landesweiten Wahlen und der Verabschiedung des Gesetzes über die Bodenreform 1920 verhältnismäßig rasch, die neue Bürgerliche Republik zu stabilisieren.

    Entscheidend für die Versorgung der Bevölkerung mit postalischen Dienstleistungen wurde das am 21. März 1922 vom Parlament angenommene „Gesetz über die Postagenturen“ sowie die ab 1926 eingerichteten „Posthilfsstellen“ in Bauernhöfen, Gaststätten, Molkereien und Schulen. Während die Zahl der Postämter zwischen 1920 und 1939 recht stabil blieb, stieg die der Postagenturen deutlich an; die Zahl der Posthilfsstellen aber explodierte förmlich:

    Stempel 1940 Postagentur Lääne-Mõisaküla

    Stempel Postagentur ("AG") Lääne – Mõisaküla (1940)

    Jahr:

     1927 

     1933 

     1939 

    Postämter 

    121 

    119 

    122 

    Postagenturen 

    474 

    585 

    600 

    Posthilfsstellen 

     k.A. 

     2.732 

     2.965 

    Ansichtskarte Kaufmannsladen und Postagentur

    Kaufmannsladen und Postagentur bei Tõrva

    Marken 1928: 300 Marka 3 Krooni

    1928: aus 300 Marka (Mark) wurden 3 Krooni (Kronen)

    Als einziger der drei Baltischen Republiken gelang es Estland, unmittelbar nach ihrer Entstehung freiheitliche und rechtsstaatliche Strukturen zu verankern.

    Wesentlich dazu bei trug die vergleichsweise stabile wirtschaftliche Entwicklung. So konnte zum 10. Jahrestag der Republik die inflationäre Markwährung gegen die Estnische Krone zu 100 Senti auf Goldstandard getauscht werden.

    Mit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise geriet auch Estland ab 1930 in politisch wie wirtschaftlich unruhiges Fahrwasser. Am 12. Mai 1934 rief der „Staatsälteste“ Konstantin Päts im Vorgriff auf einen befürchteten Staatsstreich faschistischer Kräfte den Ausnahmezustand aus und löste das Parlament auf.

    Konstantin Päts regierte die Republik fortan als Staatspräsident autoritär bis zur Besetzung Estlands durch die Sowjetunion als Folge des Hitler-Stalin-Paktes 1940/41.


    Postalisch sind in dieser Phase zwei Ereignisse von Bedeutung: Mit der Rechtschreibreform vom 1. Januar 1934 änderten sich zahlreiche Ortsnamen sowohl in ihrer Schreibweise als auch in ihrer Benennung. So entstanden zahlreiche neue Stempel. Gleiches bewirkte die große Gemeindereform vom 1. April 1939.

    Bild 1928 Konstantin Päts

    Konstantin Päts


    Ausgewählte Marken und Ganzstücke

    Rubelwährung (1918)

    Lokalausgabe Rakwere (Rakvere, Wesenberg) 1918

    Lokalausgabe Rakwere

    Mi Rakwere Nr. 4

    Das erste Estnische Postamt öffnete am 15. November 1918 in Rakwere (Rakvere, Wesenberg) und verausgabte am folgenden Tag eine Reihe provisorischer Ausgaben. Dabei verwendete man russische Ganzsachen und Ausschnitte in Adler-Zeichnung von 1891 und Zar-Peter-Zeichnung von 1913. Die Auflagen dieser sogenannten „Lokalausgabe“ waren winzig: Michel Nr. 1-4: 173, 402, 137 und 26 Stück. Es handelt sich also um große Seltenheiten. Sie blieben nur bis zum 27. November 1918 gültig, denn inzwischen gab es reguläre Marken.

    Postkarte 1918 Rakwere P2 I

    Postkarte 1918 Rakwere Mi P2 I

    Blumenmuster, die Erste

    Ab dem 24. November 1918 war es nämlich soweit: Die erste reguläre Marke der jungen Republik wurde zunächst am Schalter des Hauptpostamtes in Tallinn (Reval) und danach landesweit ausgegeben. Die Marke im schlichten Blumenmuster erschien geschnitten, d.h. ohne Zähnung, im Steindruck und in Rubelwährung, obwohl sie ab dem 1. Januar 1919 in Mark und Pfennig (Marka und Penni) verkauft wurde. Gleiches galt für die am 30. November 1918 verausgabte Wertstufe zu 15 Kopeken.

    Als Folge des Weltkrieges liefen in Estland nämlich noch die Währungen der verschiedenen Besatzungsmächte um, die erst allmählich gegen Estnische Mark und Pfennig (Marka & Penni) umgetauscht wurden.

    Streifband mit Michel Nummer 1

    Poststück (Streifband) mit Mi Nr. 1 (2) von Reval nach Baltischport (Drucksachengebühr Inland 51–100g vom 15.11.–31.12.1918: 10 Kopeken)


    Marka-Währung (1919-1927)

    Blumenmuster, die Zweite

    Auslands-Postkarte mit Mi Nr. 4

    Auslands-Postkarte von Dorpat 18.7.1919 nach Rostock 23.7.1919 mit Mi Nr. 4. Porto 20 Penni für Auslands-PK + 50 Penni Einschreibgebühr (Aufbrauch Ob Ost Ganzsache als Formular)

    Wie in Deutschland, Finnland oder Polen, so schritt auch in Estland die Inflation der Markwährung rasch voran. Bereits ab dem 18. Januar 1919 wurden Ergänzungswerte zu 35 und 70 Penni für die seit dem 1. Januar gestiegenen Porti notwendig.

    Die Zeichnung im Blumenmuster blieb gleich, man verzichtete lediglich auf die Währungsbezeichnung.

    Eesti Post – Aufdrucke 1919

    Provisorische Marke Reval 11

    Briefstück vom 7.5.1919 mit Hand­stempelaufdruck "Eesti Post", Mi Nr. 11

    Am 7. Mai 1919 erschienen zum zweiten und letzten Mal Provisorien, diesmal ausschließlich am Hauptpostamt in Tallinn (Reval): Insgesamt 18 verschiedene russische Marken mit Nennwerten zwischen 1 Kopeke und 10 Rubeln, geschnitten und gezähnt, erhielten den Handstempelaufdruck „Eesti Post“ und wurden im Nennwert 1:1 gegen Marka und Penni verkauft. Nachträglich wurde die Ausgabe landesweit bis zum 30. September 1919 für postgültig erklärt.

    Provisorische Marke Reval 1B

    Briefstück vom 8.5.1919 mit Hand­stempelaufdruck "Eesti Post", Mi Nr. 1B

    Diese Marken haben teilweise extrem niedrige Auflagen, die es spielend mit jenen der Blauen Mauritius aufnehmen können. Die Marktpreise lassen ahnen, dass Fälscher bereits früh ihr Augenmerk auf diese Ausgabe geworfen haben. Deshalb: Bitte nur geprüft BPP erwerben!

    Wikingerschiff 1919/22

    Mit dem Motiv der Freimarkenausgabe „Wikingerschiff“ in den Wertstufen zu 1, 5, 15 und 25 Mark ab dem 28. Juli 1919 gelang der Estnischen Post ein großer Wurf. Sie wurden zu Ikonen der Markwährungszeit und sind heute noch eine beliebtes Motiv.


    Bild:
    Eingeschriebener (Feldpost-) Brief eines Soldaten der Nordwestarmee mit Marke „Wikingerschiff“ Mi-Nr. 13x, 50+50 Penni = 1 Mark, Nordwest-Armee, (Pleskau)–Narwa–Tallinn–Diessen 1919.

    Ab Übergabe an die estnische Post in Narva war deren Feldpost zu frankieren.


    Während des Freiheitskrieges wurden für Sendungen in das Ausland estnische Zensurstempel benutzt, hier ein Stempel aus Tallinn in Dreiecksform.

    S.K. = Sõja kontroll = Kriegskontrolle

    Eisflug 1920

    Im Winter 1920 wurde der Eisgang auf der Ostsee ab Mitte Januar so stark, dass der Schiffsverkehr eingestellt werden musste. Im Osten und Süden des Landes standen feindliche Truppen; Estland war von der Außenwelt abgeschnitten. In dieser Lage entschlossen sich die Regierungen Estlands und Finnlands, zwischen ihren Hauptstädten eine Flugverbindung einzurichten, die im Rahmen des Möglichen auch für den Transport privater Korrespondenz geöffnet wurde.

    Gegen Ende dieser Periode erschien am 13. März 1920 eine Flugpostzuschlagsmarke im Nennwert von 5 Marka, welche die zusätzliche Flugpostgebühr für einen Brief je 15 Gramm abdeckte. Die Marke konnte wegen ihres späten Erscheinens nur für den letzten Eisflug von Tallinn nach Helsinki am 15. März verwendet werden: die drittälteste amtliche postalische Flugpost der Welt war geboren!

    Eisflugbeleg 1920 von Tallinn über Helsinki nach Paris, Vorderseite

    Eisflugbeleg der 2. Gewichtsstufe von Tallinn über Helsinki nach Paris: am 13. März 1920 aufgegeben, am 15. März nach Helsinki geflogen und von dort aus dann weiter nach Paris befördert.

    Eisflugbeleg 1920 von Tallinn über Helsinki nach Paris, Rückseite

    Rückseite des Eisflugbelegs mit Durchgangsstempel Helsingfors 15.3.1920

    Flugpost 1923/25

    Ab dem Sommer 1921 war die Hauptstadt Estlands regelmäßig mit dem sich entwickelnden Flugpostnetz Europas verbunden, ohne dass es dafür nationale Flugposttarife gegeben hätte. Es dauerte bis zum 1. Oktober 1923, dass sich die Estnische Postverwaltung zur Einrichtung einer Flugpostverbindung von Tallinn über Riga nach Königsberg und zur Herausgabe neuer Flugpostmarken entschloss. Dazu überdruckte sie die nicht verkauften Restbestände der Flugpostzusatzmarke von 1920 mit den Wertstufen zu 5, 10, 15, 20 und 45 Marka und der Jahreszahl „1923“.

    Marken Michel Nr. 4 bis 45B, UPU Archivbelege Madagascar

    Marken Mi Nr. 41–45B, Archivbelege des Weltpostvereins UPU, an die Postverwaltung Madagaskars gesandt und dort mit "Eigentumsstempel" gekennzeichnet (klicken zur Anzeige eines hochauflösenden Scans).

    Flugpostmarken 1923 mit Päevaleht-Zähnung

    Flugpostmarken 1923 mit Päevaleht-Zähnung


    400 Marken der Wertstufe zu 10 Marka und 2.000 Marken der Wertstufe zu 20 Marka erschienen nicht nur geschnitten, sondern am 8. Oktober auch gezähnt.

    Da diese mangelhafte Linienzähnung 11 ½ in der Druckerei der Zeitung „Päevaleht“ (="Tagblatt") erfolgte, sind die Marken unter diesem Namen in die Literatur eingegangen – und die übrigen Marken der Ausgabe geschnitten geblieben.


    Ab dem 12. Februar 1924 erschien dann der endgültige Flugpostsatz in denselben Wertstufen, gezähnt und geschnitten, und erneut im markanten dreieckigen Format.

    Bild:
    Flugpostbrief 18.–19.5.1927 mit Flugpostzusatzmarken Mi 48A+50A (5+15 Mk) und Abgangsstempel Tallinn-Aeronaut.

    Ab dem 16. April 1928 entfiel die Entrichtung der Flugpostgebühren durch Flugpostzusatzmarken. Die Flugpostgebühren wurden fortan mit allgemein postgültigen Freimarken entrichtet oder entfielen ganz.


    Weberin & Schmied 1922/28

    Brief von Narva nach Tartu mit 8+10 Marka Weberin & Schmied Marken

    Eingeschriebener Brief (10 Marka) der 2. Gewichtsstufe (8 Marka) von Narva nach Tartu, frankiert mit 2 Marken Mi Nr. 38B.

    Die Freimarkenausgabe mit den Motiven von Weberin und Schmied begleiteten die estnischen Postkunden ab dem 18. Februar 1922 bis in das Jahr 1928. Postgültig blieben sie über die Währungsreform von 1928 hinaus bis zum 31. Dezember 1940.

    Die Wertstufen von ½, 1, 2, 2½, 5, 9 und 10 Marka erschienen zunächst geschnitten, danach alle Wertstufen ab 1923 nur noch gezähnt.

    Ortsdrucksache Kopli 1923

    Ortsdrucksache Kopli–Tallinn (Kopli ist ein Stadtteil von Tallinn, "Siin" = "Hier") mit Einfachfrankatur ½ Marka, Mi Nr. 32A

    Ganzsachen 1923/29

    Ganzsachen Michel P2, P6, P10 ohne und mit Aufdrucken

    Ganzsachen Michel P2, P6 und P10, alle ex 9 Marka

    Auch für die ersten Ganzsachen Estlands nutzte man ab dem 23. Februar 1923 das Motiv der Weberin, zunächst ohne Aufdruck, dann mit neuem Wertaufdruck in „Marka“ und schließlich – nach der Währungsreform 1928 – mit dem Aufdruck in der neuen Währungsbezeichnung „Senti“.


    Ein Beispiel für das Sammelgebiet "interessanter Text / philatelistischer Inhalt":

    Antwortganzsache P6 mit unbeantwortetem Frageteil (links) zum "Tauschen nach Michel" und noch anhängendem Antwortteil (rechts), von Pernau nach Colmar / Frankreich.

    Die Unterschrift: eines Notars würdig!

    Wohltätigkeitsmarken mit Zuschlag 1920/27

    Alle Zuschläge der Wohltätigkeitsausgaben Estlands in der Periode der Marka-Währung zwischen 1920 und 1927 gingen ausnahmslos an die Opfer der Kriege seit 1914, insbesondere an jene des Freiheitskrieges 1918–20. Bereits im Juni 1920 erschienen erste Wohltätigkeitsmarken zugunsten Kriegsbeschädigter in den Wertstufen zu 35 und 70 Penni mit Zuschlägen von 10 und 15 Penni. Diese erhielten im November desselben Jahres Aufdrucke der neuen Wertstufen zu 1 und 2 Marka.

    Im August 1921 erschien eine weitere Wohltätigkeitsausgabe zugunsten des Roten Kreuzes in den Wertstufen zu 2½ Marka + 1 Mark Zuschlag und 5 + 2 Marka Zuschlag; geschnitten, teilgezähnt und gezähnt. Diese Marken wurden im Oktober 1923 mit dem Aufdruck „Aita hädalist.“ („Helft den Versehrten“) erneut verausgabt und zu demselben Preis verkauft.

    Inlands-R-Brief 1921 portogerecht mit Aita hädalist Marken

    Eingeschriebener Inlandsbrief, portorichtig frankiert mit 5 + 10 Marka, Mi Nr. 46/47 A+B.


    Am 19. November 1927 erschien dann noch eine Wohltätigkeitsausgabe mit fünf Wertstufen und 100%–igem Zuschlag zugunsten des Gedächtniskomitees des estnischen Freiheitskrieges. Infolge der Währungsreform zum Jahreswechsel und des schlechten Verkaufs endete deren Postgültigkeit bereits mit Ablauf des 18. Januar 1928.

    Echt gebraucht und auf Brief gehört diese Ausgabe daher zu den Seltenheiten der estnischen Markenausgaben vor 1928.

    Satz-Einschreibebrief 1927 von Tallinn nach Bochum

    Satz-Einschreibebrief 28.–31.12.1927 von Tallinn nach Bochum mit Mi Nr. 63–67


    Kroon-Währung (1928-1940)

    Mit der wirtschaftlichen Konsolidierung der 1920er Jahre stellte auch Estland seine Währung zum Jahreswechsel 1927/28 vom Papierstandard in Mark und Pfennig (Marka & Penni) auf den Goldstandard in Estnischen Kronen und Cent (Krooni & Senti) um.

    Die Umstellung erfolgte im Verhältnis 100:1, so dass die bis dahin gültigen Dauerausgaben bis zu ihrem Ausverkauf, längstens jedoch bis zum 31.12.1940 ihre Postgültigkeit behielten (1 Mark = 1 Cent). Gleiches galt für alle ab 1928 erscheinenden Freimarken in den Wertstufen von 1 Cent bis 3 Kronen.


    10 Jahre Unabhängigkeit 1918–1928

    Flugpostkarte 1928 von Tartu nach Stockholm

    Flugpostkarte 1928 von Tartu nach Stockholm, Mi P 10 II, Marken Mi Nr. 68 und 70 (2).


    Die erste Ausgabe in der neuen Währung erschien am 24. Februar 1928 anlässlich der Zehnjahresfeier der 1918 errungenen Selbständigkeit.

    Die Marken in den Wertstufen zu 2, 5, 10, 15 und 20 Senti erschienen als Neuauflagen mit Aufdruck, jedoch in den Motiven der bisherigen Ausgabe „Weberin und Schmied“.

    Marke Michel Nummer 68

    Mi Nr. 68

    Freimarken Wappenlöwen 1928/40

    Das Estnische Staatswappen zeigt drei nach links schreitende Wappenlöwen, die den Betrachter anblicken. Dieses heraldisch markante Motiv nutzte die Post für die Selbstdarstellung der Republik auf ihren Postwertzeichen in der neuen Währung.

    Zwischen dem 24. September 1928 und dem 1. April 1935 erschienen 15 Freimarken in den Wertstufen von 1 Cent bis zu 80 Cent, bevor diese Freimarkenserie ab 1936 durch die mit dem Portrait des Staatspräsidenten Konstantin Päts abgelöst wurde.

    Parallel dazu erschienen zwischen 1928 und 1940 alle Ganzsachen mit dem Motiv der Wappenlöwen (Postkarten, Gedenkpostkarte, Briefumschlag auf Bestellung einer Behörde, halbamtliche Kartenbriefe auf Bestellung einer Wohlfahrtsorganisation, Bildpostkarten) und nicht zu vergessen: 1930 Estlands einziges Postwertzeichenheftchen der Zwischenkriegszeit im Nennwert von 2,10 Kronen. Von den bis Ende 1940 verkauften 9.890 Exemplaren dürften heute nur noch wenige komplette Heftchen erhalten sein.

    Markenheftchen Estland MH1 Vorderseite

    Markenheftchen Estland MH 1 Vorderseite

    Marke Michel Nummer 80

    Mi Nr. 80

    Markenheftchen Estland MH1 Rückseite

    Markenheftchen Estland MH 1 Rückseite

    Wohltätigkeitsausgaben mit Zuschlag 1931/40

    Zwischen 1931 und 1940 verausgabte die Estnische Post sieben Wohltätigkeitsausgaben mit Zuschlägen zugunsten caritativer Einrichtungen. 1931 und 1933 erschien je eine Ausgabe mit vier Werten zugunsten des Roten Kreuzes und der Tuberkulosehilfe.

    Brief 1931 von Tallinn nach Wien mit Rotkreuz-Zuschlagsmarken

    Brief 1931 von Tallinn nach Wien mit Rotkreuz-Zuschlagsmarken Mi Nr. 90–93

    Brief 1934 von Valga nach Brüssel mit Tuberkulose-Zuschlagsmarken

    Brief 1934 von Valga nach Brüssel mit Tuberkulose-Zuschlagsmarken Mi Nr. 102–105

    Von 1936 bis 1940 erschien im jährlichen Rhythmus je eine Wohltätigkeitsausgabe mit Zuschlägen zugunsten der Gemeinschaftshilfe „Ühisabi“.

    Brief 1936 von Kastre-Võnnu nach Stockholm Zuschlagsmarken

    Satz-R-Brief 12.–15.2.1936 von Kastre-Võnnu nach Stockholm mit Zuschlagsmarken Mi Nr. 109–112

    Brief 1937 von Tallinn-Telegraf nach Berlin mit Zuschlagsmarken

    Satz-R-Brief 10.–13.4.1937 von Tallinn-Telegraf nach Berlin mit Zuschlagsmarken Mi Nr. 127–130

    Brief 1940 von Tallinn nach Wien mit Zuschlagsmarken

    Express-Einschreibebrief 1940 von Tallinn nach Wien mit Zuschlagsmarken Mi Nr. 152–155 sowie 117 (Porto: 25+25+60 Senti), estnische und deutsche Zensurstempel

    1938 und 1939 erschien zusätzlich je ein Block in Markenzeichnung.

    Ersttags-Flugpostbrief 1938 von Tallinn über Berlin nach Rom

    Eingeschriebener Ersttags-Flugpostbrief 21.–22.1.1938 von Tallinn über Berlin nach Rom mit Mi Bl. 1 (Mi Nr. 131–134)

    FDC 1939 Kuressaare Loss AG nach Tallinn

    Einschreibe-Satzbrief 15.2.1939 von der Agentur "Schloss Kuressaare" nach Tallinn mit Mi Bl. 3 (Mi Nr. 142–145) (mit Vignette zur Buchwoche 4.–11.12.1938 und Nebenstempel des Schlosses)

    Sonderausgaben 1932/40

    Gerade einmal sechs Sonderausgaben verausgabte die Estnische Post in den neun Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg:

    1932 würdigte man die 300-Jahrfeier der Universität Tartu (Dorpat) mit vier Werten, gefolgt 1933 mit drei Werten zur Feier des 10. Sängerfestes.

    Marke Michel Nummer 95

    Mi Nr. 95

    FDC 1932 von der Pranglisaarte Agentur nach Tallinn

    Eingeschriebener Ersttagsbrief mit Satzfrankatur Michel Nr. 94–97 von der Postagentur Pranglisaarte (= Insel Prangli) nach Tallinn, 1.-4.6.1932

    FDC 1933 Ortsbrief Tallinn

    Eingeschriebener Orts-Satzbrief Tallinn, Mi Nr. 99–101 u.a., Porto 10+10 Senti, 29.5.1933 (FDC)

    Marke Michel Nummer 99

    Mi Nr. 99

    1936 folgte die vierwertige Sonderausgabe anlässlich der 500-Jahrfeier der Gründung des Brigittenklosters in Pirita bei Tallinn und 1938 ebenso die Ausgabe anlässlich der 100-Jahrfeier der „Gelehrten Estnischen Gesellschaft“, wobei deren Werte auch in einem Block zusammengefasst wurden.

    R-Brief 1936 von Tallinn nach Rakvere

    R-Brief mit Satzfrankatur von Tallinn nach Rakvere mit Mi Nr. 120–123, 12.–13.8.1936

    Marke Michel Nummer 122

    Mi Nr. 122

    Marke Michel Nummer 141

    Mi Nr. 141

    FDC 1933 Ortsbrief Tallinn

    Eingeschriebener Flugpost-Brief von Tartu über Warschau nach Lengnau (Schweiz), Mi Bl. 2 (Mi Nr. 138–141) u.a., Porto 40+25+20 Senti, 20.–24.12.1938

    Den Reigen der Sonderausgaben beschlossen 1939 vier Werte anlässlich der 100-Jahrfeier des Kurortes Pärnu (Pernau), die ebenfalls als Einzelmarken und zusammengefasst in einem Block erschienen und 1940 die Sonderausgabe anlässlich der 100-Jahrfeier des Erscheinens der ersten Briefmarke.

    R-Brief 1939 von Võsu nach Rakvere

    R-Brief von Võsu nach Rakvere, Mi Bl. 4 (Kurort Pärnu, Mi Nr. 148–151) u.a., 25.–28.8.1939

    Ortsbrief Tallinn 1940

    Eingeschriebener Orts-Satzbrief Tallinn mit Mi Nr. 160–163), 30.7.1940

    Freimarken Konstantin Päts 1936/40

    Wie kein zweiter hat er das Gesicht Estlands zwischen den Weltkriegen bestimmt: Konstantin Päts (1874–1956). Gleich, ob als Minister (Innen und Verteidigung), Ministerpräsident, Reichsältester (Riigiwanem, fünfmal zwischen 1921 und 1934), Reichsprotektor (Riigihoidja, 1934–1938), Staatspräsident (1938–1940) oder Gefangener Stalins (1940–1956), sein Bild prägte und prägt das der "ersten" Estnischen Republik.

    14 Wertstufen in 17 Farben der Dauerserie mit seinem Portrait prägten das Gesicht estnischer Postsendungen zwischen 1936 und 1940. Über 106 Millionen Exemplare wurden gedruckt.

    Brief 1939 von Tallinn nach Luzern

    Eingeschriebener Brief von Tallinn nach Luzern (Schweiz) mit Mi Nr. 114, 136, 146, 22.–24.8.1939

    Bild 1939 Päts

    Konstantin Päts als Staatspräsident 1939

    Private Kartenbriefe (Paro-Briefe)

    Das Rote Kreuz entrichtete die Postgebühr von 10 Senti pro Brief direkt und im Voraus an die Staatskasse. Diese Gebühr und die Druckkosten wurden vermutlich durch die Werbeeinnahmen finanziert. Die Postämter verkauften nämlich die Ganzsachen als Privatartikel zum Preis von nur 5 Senti am Schalter – für die Kunden ein Gewinn, da sie einen Werteindruck im Wert von 10 Senti und den Umschlag dafür bekamen. Der Betrag von 5 Senti pro Umschlag kam einem Fonds zur Unterstützung notleidender Postler zugute.

    Insgesamt wurden 29.424 Kartenbriefe verkauft, so dass von den rechnerisch möglichen 1.050 kompletten Serien heute nur noch wenige erhalten sind.


    Kartenbrief 1938 im Inland versandt von Viru - Jaagupi nach Tallinn.

    Interessant die zeitgenössiche Reklame, teils mit europäischem Selbstbewusstsein:

    Links: "Regelmäßige Flugverbindungen nach ganz Europa, im Sommer und im Winter".

    Rechts: "Größte Auswahl, Internationale und nationale Qualität, Pelze, Verkauf en Gros und en Detail".

    Unten links: "Eine im Paro erscheinende Anzeige kommt an, denn sie erreicht das Volk".

  • Sowjetische Besetzung

  • Deutsche Besetzung / Ostland

  • Lagerpost / Esten im Exil

  • Unabhängige Republik Estland

  • Privatpost in Estland