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Estland

  • Königlich schwedische Post

    Die Entwicklung bis 1638

    Anfang des 13. Jahrhunderts wurde Estland von Dänemark aus missioniert. Dänemark und der Schwertbrüderorden bzw. Deutsche Orden stritten zunächst um die Vorherrschaft, bevor 1346 der Norden des heutigen Estland (die Provinzen Harrien und Wiru) von Dänemark an den Orden gelangte. Bis 1918 beschränkte sich der Begriff „Estland“ auf diesen Teil des Landes.

    Von der Hanse bis zum Livländischen Krieg

    Während des 14. und 15. Jahrhunderts gehörten Reval (Tallinn), Dorpat (Tartu), Pernau (Pärnu) und Fellin (Viljandi) dem Städtebund der Hanse an, deren Boten zur See und zu Lande ein enges Kommunikationsnetz in Nord- und Mitteleuropa unterhielten. Der Krieg zwischen Russland und der Livländischen Konföderation führte zwischen 1558 und 1582 zur weitgehenden Zerstörung dieses Netzes und großer Teile des heutigen Estland.

    Mit dem Friedensschluss von 1583 wurde Estland zwischen Russland, Polen, Dänemark und Schweden aufgeteilt. Während der nördliche Teil seit 1561 faktisch unter schwedischer Herrschaft stand, bildete der Süden des heutigen Estland um Dorpat zusammen mit der Nordosthälfte des heutigen Lettland das Herzogtum Livland (estnisch Liivimaa, lettisch Vidzeme, polnisch Inflanty) unter polnischer Herrschaft. Im Vertrag von Altmark 1629 gelangte das gesamte heute estnische Festland an Schweden, 1645 auch die Insel Ösel (Saaremaa). (Quelle: Wikipedia)


    1638 – 1710 Königlich Schwedische Post

    Postmeister Jacob Becker

    Die Postgeschichte Estlands im engeren Sinne begann 1632 mit der Ernennung Jacob Beckers aus Riga zum Postmeister in Dorpat (Tartu). Am 26. September des Jahres veröffentlichte er dort eine „PostOrdnung“, mit der er zum Schöpfer des ersten allgemeinen und öffentlich zugänglichen Postverkehrs im heutigen Sinne wurde. Beckers „PostOrdnung“ legte Abgangs- und Ankunftszeiten der Posten aus und nach Riga fest, bestimmte deren Fahrtdauer in Tagen sowie die Brieftaxen in Revaler Mark per Lot von 13,5 Gramm. Becker beschäftigte Postreiter und organisierte Stationen für den Pferdewechsel an Gasthöfen auf den Strecken

    Riga – Dorpat (Tartu),
    Dorpat (Tartu) – Wesenberg (Rakvere),
    Dorpat (Tartu)– Pernau (Pärnu),
    Dorpat (Tartu)– Reval (Tallinn) und
    Reval (Tallinn) – Pernau (Pärnu).


    Die Staatspost

    Die Gründung der schwedischen staatlichen Post geht zurück auf einen Erlass Königin Christinas aus dem Jahre 1636. Zunächst auf das schwedische Mutterland beschränkt, weitete der Erlass vom 6. September 1638 die staatliche Post auf die Gouvernements Estland, Livland, Ingermanland und Finnland aus. Dieses Datum gilt daher zu Recht als eigentlicher Gründungstag der staatlichen Post in Estland.

    Insgesamt acht königlich schwedische Postämter öffneten auf heute estnischem Gebiet ihre Schalter:

    im Gouvernement Estland: Reval/Refvall (Tallinn), Hapsal/Hapsall (Haapsalu) und Wesenberg (Rakvere);

    im Gouvernement Livland: Dorpat/Dorpt (Tartu), Pernau (Pärnu), Arensburg (Kuressaare) und Walk (Valga, Valka);

    im Gouvernement Ingermanland: Narwa/Narfwen (Narva).

    Banderolstempel Reval
    Banderolstempel Pernau

    Bisher sind nur zwei Postämter bekannt, die in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts bis 1710 einen sogenannten Banderol- oder Bandeau-Stempel benutzten: Reval (Tallinn) und Pernau (Pärnu). Bildnachweis: Hurt/Ojaste: Estland-Handbuch 1986

    Diese Stempel wurden bis zum Verlust der baltischen Gebiete an Russland im Jahre 1710 verwendet und gelten als außerordentlich große Seltenheit.

    Beleg 1710 von Reval nach Narva mit Banderolstempe

    1710: Paketbegleitbrief aus der Zeit des großen nordischen Krieges an Andreas Timmermann in Narva (in dieser Zeit feindliches Ausland)

    Bildnachweis: 359. Köhler-Auktion, Los Nr. 5002

    Beleg 1710 von Pernau nach Linköping mit Banderolstempel (Vorderseite)

    Der besonders klare Abschlag des schwedischen Banderol-Stempels – er wird als der schönste bisher bekannte bezeichnet – lässt nach Meinung eines Experten des Postmuseums in Stockholm darauf schließen, dass dieser vom Anfang der Stempelperiode, also aus dem Jahre 1708 stammt.

    Absender war Axel Julius de la Gardie (rückseitiges Siegel), die Empfängeranschrift lautet:

    Dem wohl Edlen Vogt und
    Mannhafften Herrn Capitain
    Gotthard Wilhelm von Essen
    Linköping

    Beleg 1708 von Pernau nach Linköping mit Banderolstempel (Detail Rückseite)

    Rückseitiges Siegel

    Nach der schwedischen Brieftaxe vom 14. Dezember 1692, die ab dem 1. Januar 1693 Anwendung fand und auf dem Gebiet des heutigen Estland bis 1710 gültig war, kostete ein derartiger Brief von Pernau nach Linköping 9 Silberöre pro Lot (13,5g)

    Die Periode schwedischer Herrschaft in Estland endete völkerrechtlich 1721 mit dem Frieden von Nystad (Uusikaupunki), welcher den Nordischen Krieg (1701–1721) beendete. Tatsächlich endete sie für weite Teile des heutigen Estland bereits 1710 mit den „Kapitulationen“ der Bürgerschaft zahlreicher Städte, so auch der des Rates der Stadt Reval (Tallinn) in diesem Jahr. Mit ihnen leisteten die Räte den Eid auf Zar Peter I. und erkannten so die russische Oberhoheit an.

    Standbild Peter I. in Tallinn

    Standbild Peters I. in Tallinn (Enthüllung 29.9.1910, Entfernung 1.5.1922, vgl. Artikel Karl Lukas dazu in Eesti Post Nr. 51 / 2010 S. 20 ff. )

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